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„Die Herrschaften haben viel geleistet"

jettenbach: Gesangverein „Harmonie" feiert 150-jähriges Bestehen - Seit 1919 dürfen auch Frauen mitmachen - Ableger „Schoppeschlicker"

Von Susanne Cahn

Kurz vor Ostern ging es noch ins „Trainingslager". In der Jugendherberge Kaub am Rhein „ölten" die Sänger aus Jettenbach ihre Stimmen fürs große Fest. Das Jubiläum eines der ältesten Gesangvereine im Landkreis kann kommen: Der Gesangverein „Harmonie" Jettenbach begeht vom 16. bis 18. April mit einem dreitägigen Fest seinen 150. Geburtstag. Zu den Feierlichkeiten wird ein Urenkel des Chorgründers aus Römerberg erwartet.

Der älteste der drei Jettenbacher Traditionsvereine hat seit seiner Gründung das gesellschaftliche Leben der Gemeinde mitgestaltet und gefördert, erzählt Detlef Bojak. „Die Herrschaften haben viel geleistet", zeigt sich der heutige Vorsitzende stolz auf den Kulturträger Gesangverein. Grund dazu gibt es genug: Seither hat der Verein 155 Sängerfeste und Liederabende besucht und mitgestaltet, er war bei 61 Liederabenden und Konzerten dabei und hat 106 Bälle sowie 70 Prunksitzungen organisiert. Zudem wurden 56 Theaterstücke sowie vier Operetten und Singspiele aufgeführt.

Gründer des Gesangvereins „Harmonie" war der Jettenbacher Friedrich Hauber. Die Gründungsversammlung fand am 25. März 1860 statt. Zu Anfang zählte der Verein unter seinem ersten Vorsitzenden Karl Leonhard 16 Männer. Ohne die diversen Leonhards (mit oder ohne t) wäre der Gesangverein wohl undenkbar. „Schon zu Beginn wurde vierstimmig gesungen", weiß Klaus Leonhard, der die Historie des Gesangvereins zusammengetragen hat. Der erste Unterhaltungsabend mit Theater, Gesang und Ball erfreute das Dorf zu Silvester 1861.

Doch wenig später schon kam es zu Misstönen. Offenbar ohne das Wissen des Vorsitzenden integrierte der Verein bei Theaterproben Frauen in seine Reihen. Bis dahin waren Frauenrollen selbstverständlich mit Männern besetzt worden. Der Aufruhr wegen der „Frauenzimmer" blieb nicht aus. Doch es war zu spät, zurückzurudern. Frauen mussten zwar Eintritt zahlen. Richtig „losgeworden" sei man sie jedoch nicht mehr, erläutert Historiker Klaus Leonhard mit einem Schmunzeln.

Eine Wende markiert nach Leonhards Unterlagen das Jahr 1919. „Wegen schwach besetzter Männerstimmen wurden Damen offiziell aufgenommen." Fünf Jahre später führte die jetzt gemischte „Harmonie" ihre erste Operette auf. Heute umfasst das Repertoire laut Chorleiter Walter Leonhardt weltliche und kirchliche Gesangsliteratur in deutscher Sprache. Seit 43 Jahren gibt der ehemalige Ausbildungsleiter bei Pfaff mitten im Musikantenland den Ton an. Wenn man die sorgfältig in Reih und Glied verteilten Notenbücher im Probenraum sieht, gewinnt man den Eindruck, er tut dies mit einer ordentlichen Portion Akkuratesse.

Trotz aller Strenge - „das Vereinsleben kommt bei uns nicht zu kurz", berichtet Bojak. „Unser Verein ist sehr lebendig." Das heißt, mit der Singstunde ist"s noch nicht getan. So steht es schließlich schon in den Statuten: Sitte und Anstand gilt es zu wahren und die Bildung zu fördern. Zum Beispiel bei Weihnachts- oder Mai-Feiern sowie bei Ausflügen. „Wir sind eine große Familie", bringt es die zweite Vorsitzende Rita Leonhardt auf den Punkt.

Unterstützung erhält der Chor aus Bosenbach, wo Walter Leonhardt 37 Jahre bis zur Auflösung des Bosenbacher Gesangvereins den Taktstock geschwungen hat. Der Chorleiter, der bei Fridolin Roth Seminare besuchte, ist zudem im Jettenbacher Musikverein engagiert und dirigiert überdies den Gesangverein Rothselberg. In welchem der drei Dörfer nun schöner gesungen wird, verrät der diplomatische Dirigent mit einem Wandermusikanten als Vorfahren allerdings nicht. Zahlreiche Auftritte, Reisen, unter anderem nach Wien, Einladungen anderer Chöre und ein Auftritt im Fritz-Walter-Stadion sprechen für sich. Ein besonderes Erlebnis war auch ein Fernsehdreh mit dem Gesangverein Ende der 70er Jahre.

Der Chor zählt derzeit 40 Sänger. Der älteste ist 81, der jüngste Anfang 30. Dennoch sei Überalterung ein Problem, räumt Hobbysänger Bojak ein. Nachwuchs stelle sich nur zögernd ein. Das liege auch daran, dass mit den Kindern heute einfach zu wenig gesungen werde, beklagt der Vorsitzende.

Schon der Name des Chor-Ablegers verrät, was den Jettenbachern offenbar noch Spaß bereitet. Denn gleichzeitig feiern die „Schoppeschlicker" ihren 40. Geburtstag. Das eigentliche Jubiläumsdatum des 1968 gegründeten Traditionsvereins liegt zwar schon zurück. „Wir wollten aber zusammen feiern", sagt Bojak. Walter Leonhardt gründete die „Schoppeschlicker" zur Mitwirkung bei Prunksitzungen. 25 Jahre feierte die Männergesangsgruppe Erfolge bei Prunksitzungen, sogar über die Dorfgrenzen hinweg. Heute ist der Verein auch außerhalb der fünften Jahreszeit aktiv. Die Mitglieder rekrutieren sich aus dem örtlichen Gesangs-, dem Musik- sowie dem Sportverein. Von den derzeit 16 Aktiven wirken fast alle auch im Gesangverein „Harmonie" mit.

Info

Die Singstunde findet dienstags um 20 Uhr im Alten Schulhaus in Jettenbach statt. Die „Schoppeschlicker" proben im Anschluss daran.

FLIGGD

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Westricher Rundschau
Ausgabe: Nr.82
Datum: Freitag, den 09. April 2010
Seite: Nr.15
"Deep-Link"-Referenznummer: '6222049'
Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper


eingestellt : 01.05.2010

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