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Holz für die Heizung aus eigenem Wald

Pioniere der Energiewende (11): Ressourcen schonen, Strom sparen, regenerative Energien nutzen. Diese Schlagworte sind seit einigen Jahren in aller Munde. Wir haben Menschen und Einrichtungen im Kreis Kusel gefunden, die sich schon frühzeitig für die Umwelt und gegen den Klimawandel engagiert haben. Echte Vorreiter.

Von Rüdiger Quaer

Die Gemeinde Jettenbach hat sich bei mehreren Bauvorhaben früh für innovative regenerative Energiegewinnung und regionale Wertschöpfung engagiert. Als eine der ersten Kommunen im Kreis Kusel und auch in Rheinland-Pfalz hat sie eine regenerative Holzhackschnitzelheizung errichtet und kann heute nach mehreren Optimierungsmaßnahmen mit Stolz auf das bisher Erreichte zurückblicken.

Der 58-jährige Ortsbürgermeister Bernd Ginkel, der Anfang der 90er Jahre als Sprecher der Bürgerinitiative gegen eine Müllverbrennungsanlage auf dem Schneeweiderhof bekannt wurde, war 1994 in den Rat der Ortsgemeinde Jettenbach und 1999 zum Ortsbürgermeister gewählt worden. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit sollten in den Gemeinden Jettenbach, Eßweiler und Rothselberg die Schulstandorte aufgelöst und durch den Neubau einer gemeinsamen Grundschule in Trägerschaft der Verbandsgemeinde Wolfstein ersetzt werden. Jettenbach bewarb sich um diesen Standort, punktete mit dem Plan, neben die neue Schule eine auch für den Schulsport taugliche Mehrzweckhalle zu bauen, und erhielt den Zuschlag.

Bei der Planung der beiden im Jahr 2002 fertig gestellten Gebäude spielte die Heizung eine besondere Rolle. Ginkel erkannte schon früh die Bedeutung regenerativer Energiegewinnung. Er holte sich bei verschiedenen Ingenieuren fachlichen Rat und initiierte im Gemeinderat eine breite Diskussion über diese Frage, bei der er die damals noch neue Technik der Holzhackschnitzelheizung ins Spiel brachte. Auf Informationsfahrten zusammen mit den Mitgliedern des Bauausschusses der Verbandsgemeinde Wolfstein schaute sich der Gemeinderat solche Anlagen in Kandel und der Eifel an.

Bei dieser Technik wird gehacktes Holz mit einer Körnung von drei bis fünf Zentimeter Länge aus einem Lagerraum durch einen automatisch funktionierenden Rührmechanismus zu einer Schnecke geführt, die das Material in den Brennraum transportiert, wo Wasser erhitzt wird und über einen Pufferspeicher die Heizkörper einer Zentralheizung mit Wärme versorgt. Wegen der besonderen Größe des benötigten Lagerraums - zehn mal größer als bei fossilen Brennstoffen und dreimal größer als bei Pellets - und wegen der Wirtschaftlichkeit erst ab einer Leistungsgröße von 20 Kilowatt eignen sich Hackschnitzelheizungen besonders gut für große Gebäudekomplexe und die Versorgung weiterer Gebäude durch Nahwärme.

Da die Gemeinde für 2004 auf dem Gelände neben der Schule den Neubau des evangelischen Kindergartens plante, schien eine Wärmeerzeugung in der zentral liegenden Schule und ein Nahwärmenetz zu den benachbarten Gebäuden von Mehrzweckhalle und Kindergarten die beste Lösung. Während sich der Ortsgemeinderat Jettenbach einstimmig für die Installierung einer solchen Hackschnitzelheizung entschied, die auch als Modellprojekt von dem Umweltministerium besonders gefördert wurde, konnte sich der Verbandsgemeinderat Wolfstein nicht mit einer solchen Lösung anfreunden und entschied sich 2002 beim Neubau der Grundschule für eine Gasheizung.

Der Ortsgemeinderat Jettenbach, der an der Hackschnitzelheizung festhielt, errichtete diese für seine Mehrzweckhalle und konnte diese nur zur Beheizung derselben verwenden. Deswegen war die Leistungsbemessung der Anlage von Anfang an ein Problem, wie Ginkel erläutert. Auch die schließlich gewählte kleinere Variante mit einer Leistung von 80 Kilowatt ist nicht voll ausgelastet. Von einer Nahwärmeleitung zum 2004 errichteten evangelischen Kindergarten, sozusagen unter Umgehung des Grundschulgebäudes, rieten Experten ab, so dass sich die Gemeinde dort für eine ebenfalls regenerative Pelletsheizung entschied.

Anfangs wurde für den Betrieb der Hackschnitzelheizung in der Mehrzweckhalle Brennmaterial von einem Anbieter aus der Südpfalz gekauft. Für eine waldreiche Gemeinde wie Jettenbach war es aber naheliegend, sich ab 2004 das benötigte Holz aus dem eigenen Gemeindewald zu holen. Mit Hilfe folgender Investitionen und Maßnahmen ist es der Gemeinde gelungen, für ihre Energiegewinnung ein ökologisches und ortsnahes Konzept mit lokaler Wertschöpfung zu entwickeln: Die Forstbehörde lässt für den Heizbedarf von drei Jahren zirka 100 Festmeter minderwertiges Holz schlagen, das nicht als teures Bauholz verkauft werden kann. Dieses wird seit 2007, als hinter der Mehrzweckhalle für 50.000 Euro eine Lagerhalle errichtet wurde, vor diese gerückt, wo es ein Jahr liegen bleibt. Ein mobiler Dienstleister hackt das Holz auf die entsprechende Korngröße und bläst es in die auf einer Seite offene Lagerhalle, wo es trocknen kann. Der Gemeindearbeiter befördert danach je nach Verbrauch 40 bis 50 Schüttmeter davon in den Vorratsraum der Heizungsanlage, was im Winter für einen Monat ausreicht, in den übrigen Jahreszeiten entsprechend länger.

Die Effizienz der Heizung wird zusätzlich noch durch einen Thermo-Selekt-Kamin gesteigert, wobei das Abgasrohr von einem 800 Liter Wasser fassenden Pufferspeicher ummantelt ist, wodurch dem Rauchgas weitere Wärme entzogen wird. Die Heizungsanlage wird schließlich noch durch 16 Quadratmeter Flachkollektoren unterstützt und in den Sommermonaten ganz durch diese ersetzt.

Alle diese Optimierungsmaßnahmen haben Jettenbach relativ viel Geld gekostet, wurden aber auch durch diverse Förderprogramme des Landes und des Bundes unterstützt. Darüber hinaus sieht Ginkel die Gemeinde wegen der Nachhaltigkeit des gesamten Heizkonzepts und der Regionalisierung der Wertschöpfung für die Zukunft gewappnet und vor Preistreiberei der Energiekonzerne geschützt.

Das Heizungskonzept der Gemeinde Jettenbach ist in der Öffentlichkeit auf großes Interesse gestoßen. Der anfangs mehrmals im Jahr veranstaltete „Tag der offenen Tür” war immer gut besucht. Darüber hinaus haben sich viele Kommunalpolitiker aus ganz Rheinland-Pfalz in Jettenbach Anregungen geholt.

Auch in Sachen Zusammenarbeit von Orts- und Verbandsgemeinde bei der Heizung ihrer Gebäude hat sich einiges getan. Die Ortsgemeinde wird in diesem Jahr, nachdem ihre Heizungsanlage zehn Jahre lang erfolgreich betrieben wurde, einen erneuten Anlauf unternehmen, die Grundschule zu einem günstigen Preis mit Nahwärme zu beliefern. Nun hofft sie auf ein positives Signal der Verbandsgemeinde.

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Westricher Rundschau
Ausgabe: Nr.25
Datum: Montag, den 30. Januar 2012
Seite: Nr.17
"Deep-Link"-Referenznummer: '8591801'
Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper


eingestellt : 30.01.2012

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