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Die alte Heimat nie vergessen

Porträt: Eugen Kleemann aus Michigan spendet 50 000 Dollar für  Jettenbach – Wegen der Weltwirtschaftskrise wandert Vater aus

Von Herwig Buntz

 jettenbach. Eines Abends gegen 22 Uhr erhielt Günter Kleemann in  Jettenbach unerwartet einen Anruf. In gebrochenem Deutsch meldete sich Eugen Kleemann aus Michigan/USA auf der Suche nach Verwandten in seinem Geburtsort.Eugen Kleemann wurde 1924 in  Jettenbach geboren. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage wanderte sein Vater Karl 1929 in die USA aus. Er arbeitete in Detroit in der Autoindustrie, die ebenfalls von der Weltwirtschaftskrise betroffen war. Deshalb dauerte es drei Jahre, bis er seine Frau und seinen Sohn nachholen konnte. Eugen war in  Jettenbach inzwischen eingeschult worden.Die ersten Jahre in Amerika waren für ihn sehr hart, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ: „Ich hatte es sehr schwer als Deutscher, konnte kein Englisch und war merkwürdig gekleidet. In  Jettenbach hatte ich die zweite Klasse besucht, in Detroit kam ich in den Kindergarten. Dort wurde ich zur Zielscheibe von Hänseleien und sogar tätlichen Angriffen. Aber ich konnte treten und schnell laufen. Ein Lehrer half mir, und als bester Fußballspieler wurde ich akzeptiert und amerikanisiert. Einige meiner Quälgeister wurden später meine besten Freunde.“

Vielleicht waren die Schwierigkeiten der Grund, dass Eugen mit seiner Mutter 1936 zurück in die pfälzische Heimat kam, um dortzubleiben. Aber die drohende Kriegsgefahr veranlasste sie, in die USA zurückzukehren. Eugen besuchte die High School, studierte und schloss seine Ausbildung mit einem „Bachelor of Science“ als Elektroingenieur und einem „Master“ als Autoingenieur ab. Anschließend arbeitete er mehr als 30 Jahre bei der Firma Chrysler.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war für die Familie Kleemann wirtschaftlich sehr erfolgreich. „Nach einem schwierigen Start folgte eine positive Entwicklung“, beschreibt Kleemann ihr Leben. Karl Kleemann arbeitete 30 Jahre lang in einer Fabrik, die Autokarosserien produziert. Die Familie kaufte ein Haus in Detroit und später eine Hütte am Huronsee. Eugens Mutter wurde 91 Jahre alt, sein Vater stolze 93.

Im Jahre 2010 dankte Eugen Kleemann in besonderer Weise seinen „großartigen Eltern“, von denen er sagt: „Sogar in Zeiten der größten Schwierigkeiten haben sie persönliche Opfer gebracht, um mir alles zu geben, was ich als Kind brauchte.“ Er spendete einen größeren Betrag für die Kapelle in seinem Wohnort, die seitdem „Karl und Frieda Kleemann-Kapelle“ heißt und Angehörigen aller Glaubensrichtungen zur Verfügung steht. Eugen Kleemann war beruflich viel im Ausland, vor allem in England und Australien. Auch der Kontakt zu Deutschland riss nie völlig ab, weil er durch seinen Beruf mit den Firmen Krupp und Faun sowie der Bundeswehr zu tun hatte. Aber nach  Jettenbach kam er nur einmal während seiner Militärzeit bei der Marine im Jahr 1951. Während er im Mittelmeer stationiert war, traf er seine Eltern in Deutschland und sie besuchten ihre alte Heimat.

Heute lebt Eugen Kleemann mit seiner Verlobten Maria Gene im Village of East Harbor, das im Großraum Detroit liegt. Im hohen Alter nahm sein Interesse an seinem Geburtsort  Jettenbach zu. Deshalb fragte er bei der Verbandsgemeinde Wolfstein nach, ob in  Jettenbach noch Klassenkameraden oder Verwandte leben. Auf diese Weise bekam er die Telefonnummer von Günter Kleemann.

Günter Kleemann erinnert sich noch lebhaft an das erste Telefongespräch: „Halb in Deutsch und halb in Englisch wurden Informationen über die Gemeinde  Jettenbach und über private Angelegenheiten ausgetauscht.“ Dabei stellte sich heraus, dass alle Klassenkameraden aus der Grundschule inzwischen verstorben sind. Aber der 87-jährige Erich Kleemann, Günters Vater und ein Cousin von Eugen, lebt noch in  Jettenbach.

In den kommenden Monaten wurden die Kontakte vor allem per E-Mail vertieft. Als erster Beigeordneter der Gemeinde konnte Günter Kleemann alle Fragen über  Jettenbach beantworten und die gewünschten Informationen, darunter die Dorfchronik, in die USA schicken. Zu der Verbindung trug auch Frederick (Freddie) Hebel bei, der abwechselnd in den USA und in  Jettenbach lebt – ein „von  Jettenbach adoptierter Amerikaner“, wie ihn Eugen Kleemann nennt.

Bei dem Briefwechsel und den Gesprächen stellte sich heraus, dass Eugen Kleemann  Jettenbach finanziell unterstützen wollte. Da er keine Nachkommen hat, möchte er sich und der Familie hier ein weiteres Denkmal setzen. Er war überrascht, als er hörte, dass es in  Jettenbach ein Schwimmbad gibt. Als er erfuhr, dass es mit Hilfe einer Solaranlage noch attraktiver werden sollte, spendete er dafür spontan 15.000 Dollar – etwa 11.000 Euro.

Inzwischen hat er seine Spende auf insgesamt 50.000 Dollar erhöht. Mit diesem Geld will er die Einrichtungen der Gemeinde unterstützen, die von den Deutschen und den etwa 150 in  Jettenbach lebenden Amerikanern gemeinsam genutzt werden. Dazu gehören außer dem Schwimmbad der Spielplatz und der Dorfplatz, wo Halloween gefeiert wird und im Dezember Nikolaus und Santa Claus gemeinsam auftreten.

Günter Kleemann macht zurzeit Fotos von wichtigen Gebäuden in  Jettenbach, um sie Eugen Kleemann zu schicken. Bilder vom Schwimmbad und der dort installierten Solaranlage sollen ihm zeigen, wie ein Teil seiner Spende verwendet wurde. Für das Schwimmbad ist eine Gedenktafel geplant, auf der Eugen Kleemann als „Gönner  Jettenbachs“ verewigt wird.

In einer E-Mail nennt Eugen Kleemann  Jettenbach „meine alte Heimat“ und ergänzt: „Wish I could return.“ Vielleicht kann er sich diesen Wunsch erfüllen und die Enthüllung der Tafel persönlich vornehmen.

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Westricher Rundschau
Ausgabe: Nr.102
Datum: Freitag, den 03. Mai 2013
Seite: Nr.13
"Deep-Link"-Referenznummer: '91_10671745'
Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper


eingestellt : 08.05.2013

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