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Wo das Wohnzimmer zum Klassensaal wird


Geschichten aus Ghana: Mareike Weißmann kümmert sich in einer Schule in der Hauptstadt Accra um Lernbehinderte

Von Mareike Weissmann

Sie stammt aus  Jettenbach, studiert in Heidelberg und arbeitet zurzeit in Westafrika: Mareike Weißmann absolviert einen Freiwilligendienst in Ghana, wo sie in der Hauptstadt Accra in einer Schule für Lernbehinderte arbeitet. Für XXpress berichtet sie von ihren Erfahrungen.Viele meiner Freunde haben einen Freiwilligendienst im Ausland absolviert, und da sie immer wieder begeistert von ihren Erfahrungen berichteten, entstand in mir der Wunsch, auch einmal für eine längere Zeit in einem fremden Land zu arbeiten und dabei eine ganz andere Kultur und Lebensweise kennenzulernen. Ich wohne und arbeite in einer kleinen Schule für Kinder und Jugendliche mit Lern- und geistigen Behinderungen. Ich habe mich für Ghana entschieden, da ich hier schon seit langem eine Brieffreundin habe und ich deshalb neugierig auf dieses Land war und natürlich auch darauf, Mary persönlich kennenzulernen.

Im Internet habe ich mögliche Projekte recherchiert, bis ich schließlich auf das Youth Advocacy Programme (kurz YAP) Ghana stieß. Vor einem halben Jahr habe ich dann Kontakt mit dem Projektleiter Lawson Afewu aufgenommen, um meinen Aufenthalt zu organisieren. Ich habe also keine deutsche Entsendeorganisation, wie viele andere deutsche Freiwillige. Ich hatte vor meiner Ankunft aber E-Mail-Kontakt mit ehemaligen Freiwilligen an dieser Schule und konnte mir daher sicher sein, dass es sich um ein seriöses Projekt handelt. Bezahlt werde ich für meine Arbeit nicht, allerdings stellt die Schule Unterkunft und Verpflegung.

Ich wurde von allen sehr herzlich empfangen, auch auf der Straße und in kleinen Lädchen werde ich immer sehr freundlich begrüßt. Die Schule ist ziemlich klein, 15 Schüler können höchstens aufgenommen werden. Die meisten bleiben auch am Wochenende hier, da viele von ihnen eine weite Anreise haben. Der Grund ist, dass es in Ghana nicht viele Schulen für Kinder mit geistiger Behinderung gibt. Der Projektleiter schätzt, dass nur etwa jeder Zehnte von ihnen die Chance hat, eine Schule wie diese zu besuchen. Da die Schule also quasi ein Internat ist, wohnen auch die Lehrer, die Haushälterin, die Köchin und die Freiwilligen hier.

Weil die Schule sehr klein ist, besteht die Möglichkeit, sich um jeden Schüler individuell zu kümmern. Das ist auch nötig, denn jeder Schüler hat seinen persönlichen Entwicklungsstand. Was mich beeindruckt hat: Trotz ihrer Einschränkungen verstehen alle Schüler Englisch. Dies ist zwar Ghanas Amtssprache, jedoch nicht die Muttersprache der Ghanaer. Tatsächlich gibt es in Ghana gar keine einheitliche Sprache, sondern viele verschiedene. In Accra beispielsweise sprechen die meisten Menschen Twi, und ein Wort habe ich bereits gelernt: Akwaaba – herzlich willkommen.

Der Unterricht hätte eigentlich pünktlich mit meinem Eintreffen hier beginnen sollen. Doch über eine Woche später waren erst vier Jungen und zwei Mädchen aus den Sommerferien zurückgekehrt. Das schien die Lehrer aber nicht besonders zu beunruhigen. Anscheinend ist es normal, dass die Kinder erst mit einiger Verspätung hier eintreffen. Häufig arbeiteten beide Elternteile der Kinder und könnten deshalb die Anreise nur am Wochenende auf sich nehmen, wurde mir erklärt. Zudem müssten sie sich vorrangig darum kümmern, dass ihre gesunden Kinder in die Schule gebracht werden, da diese ja am Ende des Jahres Prüfungen absolvieren müssten.

Ungeachtet dessen haben wir mittlerweile mit dem Unterricht angefangen. Ein Klassenzimmer gibt es nicht, Wohn- und Esszimmer werden nach dem Frühstück dazu umfunktioniert. Wenn möglich, kümmert sich jede Lehrkraft nur um ein bis zwei Schüler. Buchstaben, Zahlen und das Lesen der Uhr sollen erlernt werden, viele haben auch Probleme mit dem Sprechen. Lernmaterialien gibt es nur wenige, da das nötige Geld fehlt – die Schule finanziert sich allein durch Schulgeld und Spenden. Man muss also, was die Unterrichtsgestaltung angeht, ein bisschen erfinderisch sein.

Neben dem normalen Unterricht sollen die Kinder auch lernen, ihren Alltag alleine zu bewältigen. Dazu gehört zum Beispiel, sich selbst zu waschen und anzuziehen, alleine zu essen, zu spülen und Wäsche zu waschen. Ich helfe deshalb nicht nur beim Unterricht, sondern beaufsichtige auch jeden Tag die neunjährige Dorothea im Bad. Außerdem stehen noch Spaziergänge und – das Wichtigste – Fußballspielen auf dem Programm. Dabei haben wir alle am meisten Spaß.

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Westricher Rundschau
Ausgabe: Nr.234
Datum: Mittwoch, den 09. Oktober 2013
Seite: Nr.20
"Deep-Link"-Referenznummer: '91_14941302'
Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper


eingestellt : 23.10.2013

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