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Die Musikantentradition lebt

DORFSPAZIERGANG: Als weltoffenes Völkchen verstehen sich die  Jettenbacher. Sie pflegen Kontakte nach Amerika, und auch über die Kreisgrenze ist es nur ein Katzensprung. Kein Wunder, dass es die Mehrheit nach Weilerbach hin zieht.


Von Susanne Cahn


Jettenbach. Allzu gerne wären die Bürger von  Jettenbach ja aus dem Landkreis Kusel „ausgebrochen“. Im Rahmen der Kommunalreform mit Fusion der Verbandsgemeinden Wolfstein und Lauterecken sehen die meisten eher in der VG Weilerbach ihre neue Heimat. „Doch die Kuseler wollen uns nicht ziehen lassen“, sagt Ortsbürgermeister Bernd Ginkel. Der 830-Einwohner-Ort bleibt dem Kreis erhalten.Damit muss das Musikantenland auch in Zukunft nicht auf ein Aushängeschild seiner Kulturgeschichte verzichten. Die reiche Musikantentradition machte das Dorf bekannt.  Jettenbacher Musiker zählten zu den Mitbegründern der Metropolitan Opera in New York. Noch Ende der 1950er Jahre seien Wandermusikanten wie Karl Hauber unterwegs gewesen, erinnert sich der frühere Ortsbürgermeister Walter Hamm. Hauber und seinem Kollegen Otto Rheinheimer – im Dorf als „Ottopatt“ bekannt – widmete der aus Kusel stammende Künstler Bernd Decker ein metallenes Duo am Dorfplatz.


Und die Musikantentradition lebt: Ein Trommler, zwei Gitarristen, ein Akkordeonist und ein Geiger begleiten die RHEINPFALZ durch den Ort. Auffallend schön renoviert ist das Fachwerkhaus von 1740 am Anfang der Honiggasse. Marianne Harth gießt die Blumenkübel vor „Hertels“. Dort befand sich auch ein Küfer-Betrieb. An derart markanten Orten bringt die Gemeinde derzeit Info-Tafeln an. Dazu gehört auch das stattliche, 1901 von den Leonhard-Brüdern – einer war Direktor der Kammgarn, der andere Erfinder eines rauchlosen Schießpulvers – erbaute „Schlösschen“ oberhalb der neugotischen Kirche.


Richtung Norden thront der Hermannsberg, südlich erhebt sich der Potzberg. Immer wieder geht der Blick gen Himmel, an dem sich US-Transporter im Anflug auf Ramstein befinden. Als ob die Zeit stehengeblieben ist, rufen die 11-Uhr-Glocken die Leute von der Feldarbeit an den Mittagstisch. Tatsächlich gibt es nur noch einen Bauernhof.


Wer durch  Jettenbach fährt, könnte meinen, dass dort immer Kerwe ist. Der bunte Strauß am Haus Gerber will einfach nicht verblassen. Schuld sind die Glanzbänder, die die Straußjugend seit jeher verknüpft. Die Wirtschaft hier ist zwar verlassen. Bei „Schucke“ und im Sportheim kann sich die Dorfbevölkerung aber weiterhin treffen. Plaudern lässt es sich auch beim Bäcker, wo man sogar Putzmittel und Latwergegewürz bekommen kann.


Vorbei an einem typischen Musikantenhaus in der Hauptstraße mit Frontspitze im Obergeschoss und Lyra im Türsturz geht es Richtung Bach. Eine richtige Schleuse gab es dort früher. Während manch einer darin fast „versoff“ ist, schrubbten die Waschfrauen das Leinen. Auch Bier wurde dort mal gebraut. Nächste Station ist „Brückepetersch“, wieder ein Musikantenhaus. Nachkommen des früheren Bewohners Peter Wirth hatten einen der größten Zirkusse Australiens gegründet.


Der historische Dorfkern liegt um die 1896 eingeweihte evangelische Kirche, wegen ihrer imposanten Größe „Musikantendom“ getauft. Um die im Krieg verschwundenen Glocken zu erneuern, sammelten Alt- Jettenbacher in den USA Spenden. Zur Glockenweihe 1951 sei ein ganzer Bus voll aus Übersee angereist, erzählen die Familienforscher Michael Cappel und Klaus Leonhard. Mit dabei war auch Freddie Hebel aus Detroit, dessen Vater aus  Jettenbach stammt und der heute zwischen beiden Orten pendelt. Kontakte nach Michigan pflegt der Erste Beigeordnete Günter Kleemann: Der 1924 geborene Eugen Kleemann spendete der Gemeinde jüngst 50.000 Dollar.


100 Einwohner habe die Gemeinde in den vergangenen 14 Jahren verloren, schildert Ginkel. Der demografische Wandel sorge zudem für Leerstände. Dennoch plant die Gemeinde, in der auch rund 200 US-Amerikaner leben, ihr viertes Neubaugebiet mit rund zwölf Plätzen am alten Kindergarten. Jung und Alt sollen dort künftig gemeinsam wohnen. Ginkel registriert schon Reservierungen: „Der Bedarf ist da“, sagt der aus dem Glantal zugezogene Hobbyschafhalter.


Rund drei Viertel der Dorfbewohner sind in den zwölf Vereinen organisiert. Zu den ältesten im Kreis Kusel gehört der Gesangverein Harmonie 1860, viele Mitglieder zählen der Sport- und der Musikverein. Auch ein Theaterverein ist aktiv.


Wäre da noch der Steinbruch, wo seit Anfang der 1960er Jahre Kuselit abgebaut wird. Eine Erweiterung durch die Basalt AG sei in Richtung Eßweiler/Rothselberg geplant, kündigt Ginkel an. Steinreich ist  Jettenbach dennoch nicht. Musikantenlandhalle, Kindergarten, Schwimmbad, Sportplatz, der Ausbau regenerativer Energien – „die Ausgaben summieren sich“, schildert der Ortsbürgermeister. Aktuell sei das Schulhaus im Umbau, weiteres Projekt sei ein Mehrgenerationenhaus. Doch erfüllten genau solcherlei Projekte die  Jettenbacher mit Stolz, ist Bernd Ginkel überzeugt.


Info95 Dörfer und drei Städtchen liegen im Landkreis. Von A wie Adenbach bis W wie Wolfstein machen wir uns auf, sie zu erkunden, uns ihre Besonderheiten zeigen zu lassen, Geschichte und Geschichten zu erfahren. Jeden zweiten Donnerstag erzählen wir aus einem anderen Ort.
 
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Westricher Rundschau
Ausgabe: Nr.247
Datum: Donnerstag, den 24. Oktober 2013
Seite: Nr.11
"Deep-Link"-Referenznummer: '91_15612711'
Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper


eingestellt : 30.10.2013

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