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Tief eingetaucht in Leben der Vorfahren

Porträt: Klaus Leonhard aus Jettenbach erforscht seit 35 Jahren die Geschichte seiner Familie und des Dorfes
Von Herwig Buntz
 Jettenbach.


Klaus Leonhard erforscht seit 35 Jahren die Geschichte seiner Familie und seiner Gemeinde. Ein aufschlussreiches Dokument ist dafür das „Hausbuch“ von Georg Christian Krieger, der von 1746 bis 1781 Pfarrer und gleichzeitig Landwirt in Jettenbach war.
Leonhard war selbstständiger Raumausstatter. Das Interesse an seinen Vorfahren war der Anlass, sich genauer mit der Geschichte seiner Familie zu beschäftigen. Deshalb verwendete er einen Teil seiner Freizeit, um in verschiedenen Archiven Unterlagen zu studieren. Das Ergebnis war ein großer und dekorativer handgeschriebener Stammbaum und eine Reihe von Bänden mit Exzerpten und Kopien. Inzwischen ist er im Ruhestand, benutzt einen PC und arbeitet zurzeit an einem Buch, das noch ausführlicher von den Leonhards in Jettenbach handeln soll.Bei seinen Forschungen war Leonhard sehr erfolgreich. Er konnte nachweisen, dass die Familie ursprünglich in Okarben in der Wetterau beheimatet war, wo der Stammbaum bis in das Jahr 1512 zurückreicht. Franz Christian Leonhard, der in die Pfalz zog, war 1692 als Sohn des Postwirts Peter Leonhard geboren worden. Seine Mutter war die Pfarrerstochter Eva Catharine Gebhard, deren Vorfahren Familienforscher sogar bis 1263 zurückverfolgen konnten.
Franz Christian studierte Theologie, kam 1717 als Pfarrdiakon nach Lauterecken und wurde später Hauslehrer in Reichenbach. Dort bekam er 1722 die Pfarrstelle, zu der auch Jettenbach und Kollweiler gehörten. 1742 wurde Jettenbach eine eigene Pfarrei, und einer der ersten Pfarrer war Georg Christian Krieger, der aus dem rheinhessischen Gensingen stammte. 1747 heiratete er Anna Maria Susanna, die Tochter seines Reichenbacher Amtsbruders. Aber trotz der Verbindung gab es Spannungen zwischen den beiden Pfarrern, die einige Eingaben bei verschiedenen Kirchenbehörden zur Folge hatten. Denn Reichenbach bezog noch lange die Hälfte des Kirchenzehnts von Jettenbach und Kollweiler, der zur Besoldung des Jettenbacher Pfarrers gedacht war. Schließlich einigte man sich, Krieger den vollen Kirchenzehnt von Jettenbach zukommen zu lassen. Dadurch verbesserten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie, Krieger konnte einen Hof und Land kaufen und war als Landwirt recht erfolgreich.


Dafür ist das „Hausbuch“ eine wichtige Quelle. Auf der Titelseite steht „Haus-Buch. Activa sowohl als auch Passiva in sait (inseitig) enthalten. Angefangen am 23. Oktober 1767“ und der Name Georg Kriegers. Von den knapp 400 Seiten sind etwa 60 beschrieben. Am Schluss gibt es sogar ein Inhaltsverzeichnis. Doch ist das Buch nicht mehr ganz vollständig. Die Seiten 45 bis 64 fehlen, offensichtlich wurden sie herausgetrennt.


Krieger hat das Buch bis zu seinem Tod 1781 geführt, anschließend wurde es noch einige Jahre von seiner Frau fortgesetzt. Die Einträge verzeichnen zum Teil die Einnahmen aus der Landwirtschaft. Krieger musste anderen Bewohnern immer wieder Getreide oder Vieh verkaufen und Geld leihen. So heißt es zum Beispiel: „1768 am 20. Januar hat Theobald Gödel dahier einen Malter Korn (zirka 150 Kilo) empfangen worauf er schuldig verblieben 40 Kreuzer“. In vielen Fällen wurden die Schulden nicht bar bezahlt, sondern durch Arbeiten abgegolten. Dies konnte durch Waschen und Spinnen, durch Hilfe beim Dreschen oder beim Legen der Kartoffeln geschehen. War einer der Vorgänge abgeschlossen, wurde der Eintrag durchgestrichen.


Sehr aufschlussreich ist auch die zweite Gruppe von Aufzeichnungen. Der Jettenbacher Pfarrer war offensichtlich ein sehr korrekter Mensch, denn er notierte genau die Mitgift, die er jedem seiner fünf Kinder mitgab. Am ausführlichsten ist sie für den ältesten Sohn Johann Georg Christoph aufgelistet, der in Wolfstein eine Gerberei betrieb. Wir erfahren, was er an „Getuche“ (Wäsche), Zinn, „Bettung“ (Bettzeug) und „Schreinerwerk“ (Möbel) bekommen hat. Eine Besonderheit war zweifellos das Klavier. Hier heißt es: „1 Klavier nebst Gestell welches ihm geschenkt, weil es andere nicht benutzen können und mir solches von meinen Eltern auch nicht angerechnet worden.“ Mit 450 Gulden Bargeld hatte die Mitgift einen Gesamtwert von knapp 1000 Gulden – ein ansehnliches Vermögen.


Bei den übrigen Kindern fallen die Verzeichnisse knapper und weniger detailliert aus, hier erfährt man oft nur, dass sie „genauso gehalten wurden“ wie die anderen. Der zweite Sohn Karl Wilhelm wurde Landwirt und bekam wahrscheinlich den Hof. Nikolaus Ludwig Heinrich wurde wie sein Vater Pfarrer, studierte in Göttingen und erhielt anschließend die Pfarrstelle in Kappeln. Sein Studium war so kostspielig, dass Krieger Geld leihen musste. Denn auch die jüngsten Kinder wollten versorgt werden. Die einzige Tochter Maria Anna Philippina heiratete den Landwirt Johann Peter Hertel in Jettenbach. Auch ihr jüngerer Bruder Franz Philipp wurde Bauer, konnte aber nach seiner Hochzeit einen Krämerladen und eine Gastwirtschaft eröffnen.


Zwischen den Familien Krieger und Leonhard hat es noch weitere Ehen gegeben, wie Klaus Leonhard bei seinen Recherchen feststellen konnte. Zwei seiner Urgroßmütter stammten aus der Familie Krieger, während seine Familie auf Franz Christian, einen Sohn des Reichenbachers Pfarrers, zurückgeht. Er wurde als Landwirt in Jettenbach ansässig. Sein Bruder Johann Heinrich Wilhelm studierte Theologie und übernahm nach dem Tod des Vaters 1767 die Pfarrei in Reichenbach, wo Franz, ein weiterer Bruder, als Rotgerber arbeitete. Auch in den nächsten Generationen gab es viele Nachkommen. Deshalb leben bis heute in Jettenbach und den umliegenden Dörfern noch einige Familien, die ihren Stammbaum auf Franz Christian Leonhard und Georg Christian Krieger zurückführen können.


 


 


Quelle


Ausgabe


Die Rheinpfalz - Westricher Rundschau - Nr. 33


Datum


Samstag, den 8. Februar 2014


Seite 19
 


eingestellt : 31.03.2014

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